Abschied in Cuenca

9 januari 2023 - Tocumen, Panama

Nach dieser Woche im Zeichen des Abschieds von allen lieben Menschen in Ecuador wird es Zeit, dass ich wieder einmal schreibe. Ausserdem habt Ihr noch Fotos von El Cajas zugute. Nach einer langen Reise mit Zwischenstop in Panamá bin ich heute Nacht in Mendoza in Argentinien angekommen. Jetzt habe ich einigermassen ausgeschlafen und sitze beim Frühstück. Wie anders und vor allem europäischer ist es hier verglichen mit Cuenca in den Anden oder Panamá, das sehr karibisch anmutet. Aber darüber in einem folgenden Bericht mehr. 

Die letzte Woche war sehr viel los. Mit meiner Lehrerin Sol verbrachte ich ganze Vormittage und die Nachmittage war ich im Waisenhaus. Abends war ich dann ziemlich erledigt. Am Donnerstagmorgen begleitete ich Yomi zu ihrem Gerichtstermin. Keine Probleme, diese Woche bekommt sie die gerichtliche Anordnung mit der sie zur Polizei gehen kann, damit die den Vater ihrer Tochter aufspüren und zum zahlen der Alimente verpflichten kann. Ausserdem bekommt sie, wenn nötig, Schutz von der Polizei. Sie machte sich nämlich Sorgen, dass der Vater womöglich aggressiv reagieren könnte. Er war aber bei Gericht nicht anwesend. Gewalt gegen Frauen ist ein grosses Problem in Lateinamerika und ist - wie leider überall - nur schwer in den Griff zu bekommen. In Cuenca ist eine Brücke als Mahnmal für die vielen Femicide eingerichtet (Foto folgt). 

Ebenso am Donnerstag nam eine Betreuerin der Mädchen im Waisenhaus nach 4 Jahren Abschied. Da flossen natürlich viele Tränen und ich fragte mich zum wiederholten Mal, ob es eine gute Idee war, für so einen kurzen Zeitraum dort zu arbeiten. Die Mädchen hängen sich sehr an einen, selbst in kurzer Zeit. Ist es nicht so, dass es für mich eine schöne Erfahrung, für sie aber eine schmerzliche ist? Diese Sorgen habe ich am letzten Tag mit Sandra besprochen und auch mit der Mutter Obersten des Waisenhauses. Die haben mir beteuert, dass es gerade gut sei für die Kinder, um Menschen aus anderen Ländern und mit anderem Hintergrund kennenzulernen und mir allerherzlichst gedankt für meine Anwesenheit. Dadurch war ich ein bisschen beruhigt. Carola, eins der älteren Mädchen, der ich oft mit den Hausaufgaben geholfen hatte, malte und schrieb mir eine liebe Karte zum Abschied. Sie wollte mich am letzten Tag gar nicht mehr loslassen und lief den ganzen Nachmittag mit mir Hand-in-Hand. Aber auch die anderen werde ich immer in guter  Erinnerung behalten. 

Am letzten Abend (Freitag) war ich noch kurz bei Sandras Familie zu Besuch. Sandra's Mutter ist eine Schulfreundin von Elena und sie kennen sich ein ganzes Leben lang. Wie herzlich, gastfreundlich und interessiert hier alle sind! Und alles wird in die Verkleinform gegossen. Elenita (Elena), cafecito (Tasse Kaffee) usw. Ich verstehe oft nicht gleich, was sie meinen. Es ist sowieso eine Herausforderung, alle Ausdrücke und Wörter in den verschiedenen Ländern zu lernen. Inzwischen kenne ich 3 verschiedene Wörter für Parkplatz und auch viele andere alltägliche Wörter sind unterschiedlich. Ich bin gespannt, was in Argentinien und Chile dazukommt, vor dem Spanisch hier wird allerorts gewarnt. Das muss man allerdings mit Vorsicht betrachten, da Nationalstolz auf den eigenen Sprachgebrauch hierbei wohl mitspielt😉

Mit Sandra habe ich danach noch den Drei-Königs-Umzug in Cuenca angesehen. Ja, und dann kam der Tag der Abreise. Noch einen kurzen Besuch in der Stadt, um ein paar Blumen für Elena zu kaufen. Danach einpacken und ein bisschen ausruhen vor der langen Reise nach Argentinien (2 Nächte mit langem Zwischenstop in Panamá). Elena hat mich zum Busbahnhof begleitet. Leider waren wir schon weg, als Israel (Enkel), Alejandra und Yomi wieder zuhause ankamen. Von ihnen konnte ich mich leider nicht persönlich verabschieden. Vor allem Israel hat das wohl ziemlich mitgenommen. Wir haben uns sehr gut verstanden. Er ist ein sanftmütiger und sehr sensibler junger Man (ganz wie meine Söhne😘) und passt so gar nicht in das Bild des lateinamerikanischen Macho's.

Und so bestieg ich also um 8 Uhr abends den Bus nach Guayaquil - auf zum nächsten Teil meiner Reise.

Foto’s