Esperanza
4 februari 2023 - Puerto Natales, Chili
Wie Ihr gemerkt habt, war eine zeitlang Funkstille. Der Grund war die lange geplante Schiffsreise auf der Fähre Esperanza durch die Fjorde an der chilenischen Küste Patagoniens. Auf diese Fahrt hatte ich mich gefreut und ich bin nicht enttäuscht worden. Aber langsam und von vorne.
Mittwoch, 1. Februar
Am Montag habe ich auf Chiloe noch eine Wanderung gemacht, die ich allerdings abgebrochen habe, da mir überall ziemlich agressive freilaufende Hunde den Spass verdorben haben. Hier kommen ausserhalb der Ortschaften eben keine Fremden zu Fuss vorbei🫣
Also bin ich zur Hauptverbindungsstrasse zurückgelaufen und habe einen lokalen Bus nach Castro genommen (Hand ausstrecken genügt und sie halten überall an). Dort habe ich mir die grosse, ganz aus Holz konstruierte Kirche Inglesia de San Franciso angesehen und eine sehr leckere Chupe de Locos (eine Meeresschnecke ähnlich der Abalone) gegessen und bin danach mit dem Bus zurück nach Ancud gefahren.
Am Dienstagmorgen dann mit dem 1. Bus nach Puerto Montt und dort auf der Esperanza eingeschifft. Eine gemischte Gesellschaft von Touristen aus Chile, USA, England, Deutschland, Frankreich, Italien, Schweiz, ...(?), aber auch einige wenige örtliche Fahrgäste (siehe unten). Ich teile mir eine Hütte mit 5 anderen Frauen. Alles ist sehr sauber und komfortabel und auch das Essen ist gut.
Die Landschaft an der wir vorbeifahren, ist einfach sensationell. Nachdem wir einmal Chiloe passiert hatten, gibt es bis Puerto Natales nur eine einzige Niederlassung, Puerto Edén. Die hat ca. 80 Einwohner und ist nur über den Seeweg erreichbar. Alles und jeder muss also mit dieser Fähre dorthin gebracht werden. Es gibt in dieser unendlichen Weite fast keine Menschen. Hier und da eine Lachszucht und ein paar Fischerboote. Trotzdem sind überall die unerwünschten und schädlcihen Folgen menschlicher Aktivitäten anzutreffen. In jeder der winzigen Buchten sammelt sich der (Plastik)müll, den die Strömung hier anspült.
Am 2. Tag der Reise haben wir schon Magellanpinguine, Seelöwen, Albatrosse, Delfine und Wale (keine Ahnung welche, war zu weit weg) gesehen. Allerdings (noch?) keinen Blauwal. Das wäre wirklich die Krönung. Die ersten 24 Stunden sind wir auf dem ruhigen Wasser zwischen den Inseln voor der Küste durchgefahren. Inzwischen sind wir auf dem Pazifischen Ozean angekommen, wo es erheblich windiger ist und die Wellen entsprechend höher. Wir werden wohl eine unruhige Nacht haben. Ich bin gespannt, ob wir seekrank werden🤢
2. Februar (3. Tag)
Die Nacht auf offener See war ein bisschen unruhig (wir wurden in unsereren Betten ziemlich hin- und hergeschüttelt), aber es scheint keiner wirklich seekrank geworden zu sein. Ich habe selbst sehr gut geschlafen. Am Donnerstagmorgen waren wir dann schon wieder in ruhigem Fahrwasser zwischen den Inseln. Im Laufe des Tages veränderte sich langsam die Vegetation. Je südlicher wir kamen, je mehr Bäume Platz machen für Gebüsch und immer mehr Fels kam zum Vorschein. Auch die Farbe des Meerwassers wechselte an manchen Stellen von dunkelblau zu türkisgrün wo das Schmelzwasser der Gletscher sich mit dem Seewasser mischte.
Den erhofften Blauwal habe ich leider doch nicht gesehen. Aber meine Reise ist ja noch nicht zuende.
Heute morgen war alles grau und es regnete. Von dem grossen Gletscher haben wir leider gar nichts gesehen. Um 12 h passierten wir dan die Meerenge Kirke, eine der schmalsten navigierbaren Meerengen der Welt. Die Esperanza ist 23 m breit und es bleiben an beiden Seiten weniger als 10 m. Danach klarte es auf und jetzt scheint die Sonne. Der Wind macht es aber fast unmöglich, sich an Deck aufzuhalten.
3. Februar (4. Tag)
Wir liegen bij strahlendem Sonnenschein und starkem Wind vor Anker bei Puerto Natales, unserem Ziel und können wegen des Windes nicht anlegen. Eigentlich hätten wir um ca. 3 h von Bord gehen sollen. Inzwischen sind schon mehr als 3 Stunden vergangen und wir werden wohl erst irgendwann heute Abend oder Nacht andocken, wenn der Wind sich ein bisschen legt.
In den 4 Tagen auf dem Schiff habe ich natürlich viele Leute kennengelernt und wir haben gemeinsam genossen von der unglaublichen Schönheit der Natur um uns herum. Es fühlt sich natürlich erst bisschen komisch an, da wir uns schon voneinander verabschiedet hatten und jetzt doch noch auf dem Schiff festsitzen. Also setzen wir unsere Gespräche fort und werden uns vielleicht erst morgen früh definitiv verabschieden.
Die meisten Kontakte haben etwas Flüchtiges und Unverbindliches - man tauscht Erfahrungen aus über vergangene Reisen und die weiteren Reisepläne. Nur gelegentlich trifft man jemanden, mit dem einen mehr verbindet. So geht es mir mit einem der Fahrgäste, ein Wissenschaftsjournalist aus den USA. Sobald ich wieder Internetzugang habe, werde ich mir seine Bücher ansehen. Warum er mich interessant findet, weiss ich allerdings nicht🤔 Er und seine Frau sind sehr nett und wir wollen in Kontakt bleiben.
Samstag, 4. Februar
Nachtrag: Wir haben die Nacht sehr komfortabel auf dem Boot verbracht und wurden wie vorher schon ausgezeichnet versorgt. Am Morgen haben wir bei erheblich ruhigerem Wetter angelegt und sind nach dem Frühstück von Bord gegangen. Die Fahrt mit der Esperanza durch die eindrucksvollen Fjorde war jeden Pfennig wert und ich würde sie jedem, der diese Region besuchen möchte, sehr anraten.
Inzwischen bin ich im Hostal angekommen. Leider regnet es und ich muss meinen Spaziergang durch das Städtchen noch ein bisschen verschieben. Aber bisher ist alles prima und ich bin gespannt auf die Wandertour zur Basis der Torre (das sind die 3 Bergspitzen, die dem Nationalpark seinen Namen geben). Ich werde Euch nächste Woche darüber berichten.


Geniet verder van je reis!